Rechtsextremismus

Was ist Rechtsextremismus? Es existieren verschiedene Ideen, was Rechtsextremismus ist. Rechtsextremismus ist kein einheitliches Phänomen, sondern kommt in unterschiedlichen Ausprägungen vor. Daneben gibt es andere Begriffe wie Faschismus oder Neonazismus, aber auch Rechtsradikalismus, die immer wieder vorkommen. Allgemein lässt sich sagen, dass sich Rechtsextremismus als Ober- und Sammelbegriff durchgesetzt hat. 

Diese Seite bietet einen Überblick über die Rechtsextremismusdefinitionen und die Strategien der extremen Rechten.

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Was ist Rechtsextremismus?

Kurz & knapp: Rechtsextremismus

  • Rechtsextremisten gehen von einer Ungleichwertigkeit von Menschen aus.
  • Rechtsextremisten verharmlosen und rechtfertigen den Nationalsozialismus.

  • Rechtsextreme haben eine Affinität zu diktatorischen Regierungsformen.

  • Rechtsextreme finden, dass die Gemeinschaft vor dem und der Einzelnen steht und Bürger*innen sich der Staatsräson unterordnen sollen.

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Rechtsextremismus-Definitionen

Rechtsextreme gehen von einem sozialdarwinistisch begründeten essenzialisierten „Recht des Stärkeren“ aus und wollen die Versprechen nach politischer Freiheit überwinden, wie sie zum Beispiel in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zum Ausdruck kommt.


Definition nach Hans-Gerd Jaschke

Eine bekannte Definition von Hans-Gerd Jaschke bringt das wie folgt zum Ausdruck: Rechtsextremismus´ bezeichne die Gesamtheit von Einstellungen, Verhaltensweisen und Aktionen, organisiert oder nicht, die

  • von der rassisch oder ethnisch bedingten sozialen Ungleichheit der Menschen ausgehen,
  • nach ethnischer Homogenität von Völkern verlangen und das Gleichheitsgebot der Menschenrechts-Deklarationen ablehnen,
  • den Vorrang der Gemeinschaft vor dem Individuum betonen und von der Unterordnung des Bürgers unter die Staatsräson ausgehen,
  • den Wertepluralismus einer liberalen Demokratie ablehnen und die Demokratisierung rückgängig machen wollen,
  • den Individualismus aufheben wollen zugunsten einer völkischen, kollektivistischen, ethnisch homogenen Gemeinschaft in einem starken Nationalstaat,
  • den Multikulturalismus ablehnen und entschieden bekämpfen.

(Hans-Gerd Jaschke: Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Begriffe, Positionen, Praxisfelder, Wiesbaden 2001, S.30)


Konsensdefinition
In Deutschland haben sich 2001 verschiedene Sozialwissenschaftler*innen auf eine Definition von Rechtsextremismus geeinigt, die so genannte Konsendefinition. Der Rechtsextremismus ist dabei ein Einstellungsmuster, dessen verbindendes Kennzeichen Ungleichheitsvorstellungen darstellen. Diese äußern sich verschiedenen Dimension:

  • im politischen Bereich in der Affinität zu diktatorischen Regierungsformen, chauvinistischen [also nationalistischen] Einstellungen und einer Verharmlosung bzw. Rechtfertigung des Nationalsozialismus,
  • im sozialen Bereich sind sie gekennzeichnet durch antisemitische, fremdenfeindliche und sozialdarwinistische Einstellungen.

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Rechtsextreme Einstellungen

Der Zusammenhang zwischen Einstellungen und Verhalten
Diese sozialwissenschaftliche Rechtsextremismusforschung betont die grundsätzliche Unterscheidung von Einstellungen und Verhalten, aber auch die Zusammenhänge: Einstellungen sind in der Regel Verhalten vorgelagert. Die Grundlagen für rechtsextremes Verhalten und rechtsextreme Taten sind also rechtsextreme Einstellungen. Wenn rechtsextreme Einstellungen vorhanden sind, kann rechtsextremes Verhalten diese Einstellungen weiter radikalisieren und verfestigen. Grafisch lässt sich das so darstellen:

Messung rechtsextremer Einstellungen

Messung rechtsextremer Einstellungen
Die Verbreitung dieser Einstellungen in der Bevölkerung werden seit fast 20 Jahren in Deutschland regelmäßig erhoben.

Rechtsextremismus-Studie

Wie weit sind rechtsextreme Einstellungen in Deutschland verbreitet? Die aktuelle Studie der Uni Leipzig gibt Aufschluss.

PDF

Verfassungsschutzbericht

Der Bericht 2018 des Landesamtes für Verfassungsschutz Baden-Württemberg

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Rechtsextreme Spektren

Rechtsextremismus ist ein sehr ausdifferenziertes Phänomen. Dennoch lässt er sich systematisieren und ein Kernspektrum erkennen:

  1. Parteien:
    Dazu zählt klassischerweise die NPD, aber auch die Parteien "Die Rechte" und "Dritter Weg" sowie Teile der AfD.
     
  2. Aktionsorientierter Rechtsextremismus:
    Hierbei handelt es sich um diejenigen Akteure, die insbesondere im öffentlichen Raum erkennbar präsent sind oder sein wollen. Das Neonazi-Spektrum gehört dazu. Auch Rechtsterrorismus fällt darunter. 
     
  3. Diskursorientierter Rechtsextremismus:
    Revisionisten, Verlage und Schulungszirkel, die durch die Einspeisung ihrer Ideen in gesellschaftliche Debatten die gesellschaftlichen Diskurse dominieren wollen. Die Szene der Holocaust-Leugner gehört zum Beispiel dazu.

Neben dem Kernspektrum gibt es Grenzbereiche, die als Brücke oder Scharnier über den Rechskonservatismus in die demokratischen Bereiche der Gesellschaft fungieren.

  • Die intellektuelle Rechte („Neue Rechte“) 
  • Rechtspopulistische Bewegungen

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Rechtsextreme Strategien

Extrem rechte Gruppierungen, Organisationen und Einzelakteur*innen bedienen sich in der alltäglichen politischen Arbeit ganz unterschiedlicher Strategien: 

  • zivilgesellschaftliche Aktivitäten (z.B. in Vereinen)
  • Klassische politische Arbeit (z.B. politische Kundgebungen)
  • Seminarangebote, Publikationen
  • Internet und Social Media Auftritte (z.B. im Bereich der Identitären Bewegung)

Die strategischen Ausrichtungen der verschiedenen Akteur*innen des Rechtsextremismus in Deutschland unterscheiden sich z.T. sehr stark. Von Versuchen als moderat wahrgenommen zu werden bis hin zum offen zur Schau stellen nationalsozialistischer Ideologie gibt es eine große Spannbreite.
 

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