Islamismus und islamistischer Extremismus

Islamistischer Extremismus oder Islamismus ist ein Sammelbegriff für politische Ideologien, die den Islam als Grundlage einer gesellschaftlich-politischen Ordnung verstehen.  Einfacher erklärt bedeutet das, dass Islamisten denken, nur ihre Weltsicht sollte in einem Staat erlaubt sein. Sie bedienen sich zwar der Sprache des Islam, sehen ihn jedoch nicht mehr als individuellen Glauben. Islamistische Bestrebungen möchten die Scharia in allen Lebensbereichen durchsetzen.

Diese Seite erklärt die Spektren des Islamismus sowie die Begriffe Salafismus und Dschihadismus.

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Woran erkennt man islamistische Ideologien? 

Es gibt zwei einfache Punkte, wie man islamistische Ideologien erkennen kann:

  • Sie erheben Anspruch auf die Alleingültigkeit des Islam. Nur er sei der richtige Glaube, er müsse auf alle Lebensbereiche angewendet werden.
  • Sie erheben der Anspruch, selbst die einzig richtige Lesart des Islam zu vertreten: Der Islam wird von verschiedenen Gläubigen unterschiedlich interpretiert. Ein Islamist lässt andere Ausprägungen des Islam nicht mehr zu.

Mit dem Rückgriff auf ein strikt dichotomes, anti-pluralistisches Weltbild führt diese Sichtweise zur Abwertung anderer Überzeugungen und Lebensweisen.

 

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Islam ist nicht gleich Islamismus!

Leider werden bis heute die Begriffe "Islam" und "Islamismus" verwechselt. Wer gläubig ist und der Religion des Islam angehört, wird mit den Begriffen Muslim oder Muslima bezeichnet. Der Begriff Islamist beschreibt ausschließlich Menschen, die den Islam extremistisch interpretieren, ihn für die einzig richtige Religion halten, andere Religionen oder Lesarten des Islam abwerten und ihn als einziges Recht zur Regelung des gesellschaftlichen und politischen Lebens sehen.

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Welche islamistischen Strömungen gibt es?

Deutsche Sicherheitsbehörden unterscheiden zwischen drei islamistischen Spektren, deren Grenzen fließend verlaufen.

Politisch-Legalistisch
In Deutschland machen Aktivisten des politisch-legalistische Spektrums, die sich meist auf nationalstaatlicher Ebene um die Erlangung politischen Einflusses bemühen, den größten Anteil islamistischer Strömungen aus .

Missionarisch
Der missionarische Islamismus, zu dem zum Beispiel auch eine große Strömung des Salafismus zu zählen ist, ist das zweite große Spektrum. Sein Ziel ist die Identitätsstiftung und Vergrößerung der Bewegung durch öffentliche Auftritte.

Dschihadistisch/terroristisch
Das geringste Personenpotenzial, also den gerinsten Anteil am islamistischen Spektrum, haben dschihadistische beziehungsweise terroristische Gruppierungen. Sie nutzen und befürworten die Gewalt als Mittel der Einführung und Durchsetzung der islamischen Gesetze.

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Was ist Salafismus?

Salafismus beziehungsweise der arabische Begriff "Salafiyya" bezieht sich auf den Ausdruck "salaf as-salih", was mit "die frommen Altvorderen" übersetzt werden kann. Gemeint sind damit die ersten drei Generationen der Muslime nach dem Propheten Mohammed. Die angenommenen damaligen Gesellschafts- und Religionsvorstellungen sind der Bezugspunkt für das Selbstverständnis des Salafismus. Dabei sehen dessen Anhänger und Protagonisten in dieser Frühphase des Islam ein "goldenes Zeitalter" für ihre Religion, geprägt durch eine authentische islamische Lebensführung. Der Salafismus hat den Anspruch, den Islam durch den unmittelbaren und ausschließlichen Bezug zu den religiösen Hauptque zu erneuern und von vermeintlich korrumpierenden, fremden Einflüssen zu befreien.

Der Salafismus ist in Deutschland ein Phänomen vornehmlich junger Erwachsener und Jugendlicher. Während die meisten muslimischen Moscheegemeinden in Deutschland nach ethnischer Zugehörigkeit organisiert sind, richtet sich der Salafismus an jeden Einzelnen – unabhängig von Sprache, Herkunft oder Kultur. Der in den Augen der Salafisten durch verschiedene Rechtsauslegungen entstandenen Spaltung der muslimischen Glaubensgemeinschaft setzen sie ein übergeordnetes und universalistisches Rechtsverständnis entgegen. So bietet der Salafismus Jugendlichen mit festen Regeln und Rollenbildern ein eindeutiges Weltbild und einen klaren Orientierungsrahmen.

Strömungen des Salafismus

Häufig werden in der Forschung drei Typen salafistischer Gruppierungen unterschieden:

Puristen:
Dieser Gruppe geht es in erster Linie um die reine Lehre des Islam und ein gottgefälliges Leben in dem die reine  Lehre des Islam wiederhergestellt wird. Vor allem durch frommes Handeln nach dem Vorbild des Propheten in allen gesellschaftlichen und sozialen Lebenslagen soll die Frömmigkeit gesteigert und somit das Goldene Zeitalter eingeleitet werden. Puristen lehnen Gewalt  ab und konzentrieren sich  darauf, streng die religiösen Rituale, wie z. B. Gebete und körperliche Reinheit, einzuhalten. Politisches Engagement generell ist ebenfalls nicht zu beobachten.

Politische Salafisten:
Mit einem gottgefälligen Lebensstil verbinden die politischen Salafisten die Forderung nach einer Einführung der Scharia, vor allem aber einer religiösen Ordnung die den   salafistischen Interpretationen entspricht. Deshalb engagiert sich diese Gruppe aktiv, um ein politisches System zu etablieren, indem sie z. B. in der religiösen Rhetorik tagespolitische und soziale Missstände aufgreift, um die eigene Ideologie  von  einer  gerechten  Welt  zu  bestätigen. Ein mit dem Koran konformes politisches Systems wird als Garant für eine fromme Lebensführung betrachtet. Bekannt wurde diese Gruppen unter anderem durch Koranverteilungen im Rahmen der so genannten Lies-Aktion. Das Verhältnis zur Gewalt ist ambivalent. Zwar gibt es Akteure, die Gewalt vordergründig ablehnen, es ist aber anzunehmen, dass die Grenze fließend ist.

Dschihadistische Salafisten:
Nicht alle Dschihadisten werden den Salafisten zugeordnet. Aber  die Verbindung beider Ideologien hat sich in den letzten Jahren verfestigt. Dschihadistische Salafisten stellen im Vergleich zu den beiden anderen Gruppierungen eine relativ kleine Gruppe dar. Große Aufmerksamkeit bekam sie durch die Anschläge in Europa in den letzten Jahre und durch den Krieg in Syrien. Aus vielen Ländern Europas auch aus Deutschland reisten 2014 und 2015 Jugendliche und junge Erwachsene nach Syrien, um für den so genannten Islamischen Staat (teilweise auch die kurdische YPG) zu kämpfen.

Mehr zu Salafismus auf der Webseite der bpb.

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Dschihadismus

Dschihadismus ist eine Fremdbezeichnung, unter anderem der Sicherheitsbehörden, die das Phänomen des militanten und terroristischen Islamismus begrifflich zu erfassen versucht. Der dschihadistische islamisitische Extremismus unterscheidet sich von anderen islamistischen Strömungen dadurch, dass dessen Anhänger den bewaffneten Kampf, verstanden als „gottgewollte Anstrengung“ (Dschihad), grundsätzlich befürworten. Sie sehen ihn als legitimes Mittel, um ihre Ziele gegen alle anderen Gesellschaftsformen durchzusetzen, die mit ihrer Vorstellung vom Islam in Konflikt stehen. Viele ideologische Positionen des dschihadistischen Islamismus resultieren un-mittelbar aus der salafistischen Weltsicht. Grundlegend ist, dass der Gegensatz zwischen dem „Gebiet des Islam“ (Dar al-islam) und dem „Gebiet des Krieges“ (Dar al-harb) zu einem gnadenlosen Existenzkampf stilisiert und zugleich ein Feindbild des Westens heraufbeschworen wird. Reale krie-gerische Auseinandersetzungen und militärische Interventionen, wie im Irak oder in Afghanistan, werden als Aggressionen „christlicher“ Staaten im Sinne einer Kreuzzug-Tradition interpretiert. Eine Wahrnehmung der westlichen Staaten als neokoloniale Besatzer, gegen die es sich zu verteidigen gilt, geht damit einher. Dschihadistische Aggressionen wie in Syrien werden dahingegen überhöht als ein endzeitliche Schlacht der Schlachten.

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Hintergrund: Warum gibt es auf dieser Seite so wenig Bilder?

Zur Veranschaulichung bebildert die LpB BW normalerweile ihre Internet-Dossiers. Bilder für Phänomenbereiche rund um das Thema Extremismus zu finden ist jedoch schwierig. Wir möchten keine Stereotype reproduzieren. Zum Beispiel möchten wir keine typischen Szenen aus dem muslimischen Leben zeigen und diese in die Nähe von Islamismus rücken. Andererseits möchten wir auch keine Propaganda verbreiten und beispielsweise dschihadistische Symbole verwenden. Deswegen fokussiert sich diese Seite stärker auf Text.

Handreichung

Jugendliche im Fokus salafistischer Propaganda

Teilband 1 (PDF)
Was kann schulische Prävention leisten?
Stuttgart 2016

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Teilband 2.1 (PDF)
Beispiele und Anregungen für die unterrichtliche und pädagogische Praxis
Stuttgart 2017
weiter

Teilband 2.2 (PDF)
Unterrichtseinheiten und Unterrichtsmaterialien
Stuttgart 2018

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Letzte Aktualisierung: 6. Juli 2020, Internetredaktion der LpB BW