Was ist Rassismus?

Rassismus ist, einfach erklärt, wenn Menschen andere Menschen nach äußerlichen oder vermeintlich kulturellen Merkmalen einteilen und die "anderen" als weniger wert oder weniger gut einstufen. Diese Seite stellt unterschiedliche Rassismusdefinitionen vor und arbeitet die Funktionsweise und Entstehung von Rassismus heraus. Wie erkennt man rassistische Argumente und Denkstrukturen? Was ist struktureller, individueller und institutioneller Rassismus? Und was kann jede und jeder gegen Rassismus tun?

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Kurz & knapp: Rassismus einfach erklärt

Rassismus ist es, wenn Menschen andere Menschen nach äußerlichen oder vermeintlich kulturellen Merkmalen einteilen und die "anderen" als weniger wert oder weniger gut eingestufen.

Die folgende Grafiken erklären rassistische Denkmuster:

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Was ist Rassismus?

Rassismusdefinitionen

Die Definition der UN

Die UN wandte sich 1965 im „Internationalen Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung“ gegen:

"jede auf der Rasse, der Hautfarbe, der Abstammung, dem nationalen Ursprung oder dem Volkstum beruhende Unterscheidung, Ausschließung, Beschränkung oder Bevorzugung, die zum Ziel oder zur Folge hat, dass dadurch ein gleichberechtigtes Anerkennen, Genießen oder Ausüben von Menschenrechten und Grundfreiheiten im politischen, wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen oder jedem sonstigen Bereich des öffentlichen Lebens vereitelt oder beeinträchtigt wird".

Hier liegt der Fokus auf den Folgen von Rassismus für Betroffene: Dass sie nämlich keinen gleichberechtigen Zugang zu ihren Menschenrechten haben. Zudem wird ihnen die Teilhabe am öffentlichen Leben und der Zugang zu Ressourcen erschwert.

Dass  der Begriff "Rasse" in offiziellen Texten, Gesetzen oder Vefassungen verwendet wird, wie die UN es in dieser Definition macht, steht aktuell stark in der Kritik. Die Debatte fasst diese Seite weiter unten zusammen. 
 

Die Definition der EU

Die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz ist eine unabhängige Kommission des Europarats: Sie definiert Rassismus als

"die Überzeugung, dass ein Beweggrund wie Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion, Staatsangehörigkeit oder nationale oder ethnische Herkunft die Missachtung einer Person oder Personengruppe oder das Gefühl der Überlegenheit gegenüber einer Person oder Personengruppe rechtfertigt".

Hier liegt der Fokus auf der Funktion, die Rassismus für weiße Menschen hat: Aufwertung der eigenen Person oder der eigenen „Gruppe“. 

 

Gemeinsamkeiten der Definitionen

In diesen Definitionen wird der Kern von Rassismus deutlich: Menschen werden nach äußerlichen oder vermeintlich kulturellen Merkmalen eingeteilt und die »anderen« als weniger wert oder weniger gut eingestuft. Unsichtbar bleibt dabei leider oft, dass diese Einteilung Privilegien für die „einen“ schafft und zur Fortführung von ungleichen Machtstrukturen beiträgt. 

Eine Frage, die sich in dem Kontext stellt, ist, ab wann Rassismus einsetzt. Nach Noah Sow ist nicht erst die Auf- und Abwertung der konstruierten Gruppen rassistisch, sondern bereits die Überzeugung, dass es unüberbrückbare Unterschiede zwischen den Gruppen gibt. Im Alltagsrassismus und dem vermeintlich „positiven“ Rassismus verdeutlicht sich die Behauptung des Unterschieds. 

„Rassismus ist nicht erst die negative Reaktion auf einen angeblichen Unterschied, sondern bereits die Behauptung des Unterschieds.“

(Sow, deutschland schwarz weiß, 2018).

Weitere Informationen: bpb - Rassismus 

Hintergrundwissen: Warum gibt es so viele Rassismus-Definitionen?

Rassismus ist ein komplexes Thema. Es gibt zahlreiche Definitionen von Rassismus mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Das hat mehrere Gründe:

  1. Unterschiedliche Fachbereiche
    Rassismus wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und von unterschiedlichen Fachdisziplinen untersucht: z.B. beim Thema Menschenrechte von Rechtswissenschaften, durch Rassismus-Kontinuitäten und somit Geschichtswissenschaften, durch gesellschaftlich erlernten Rassismus und somit Erziehungswissenschaften, durch Alltagsrassismus, durch postkoloniale Studien usw. 
  2. Politisierter Begriff
    Zum anderen ist der Begriff Rassismus sehr politisiert und stark in politische Auseinandersetzungen eingebunden. 
  3. Assoziationen
    Vor allem in Deutschland ist der Begriff semantisch auch häufig mit dem historischen Nationalsozialismus und der aktuellen extremen Rechten verknüpft. Diskussionen über Rassismus sind daher häufig geprägt durch Abwehrreaktionen und Widerstände. Dies führt dazu, dass Kontinuitäten von Rassismus in der Debatte untergehen, wie z.B. die Kolonialgeschichte Deutschlands.

Alle drei Aspekte erschweren den selbstverständlichen Umgang mit Rassismus - gemeint ist damit ein entdramatisierter Umgang mit Rassismus und eine aktive Auseinandersetzung mit Privilegien. Als Folge der schwierigen Auseinandersetzung mit Rassismus nutzt die Gesellschaft Ersatzbegriffe wie „Ausländerfeindlichkeit“ oder „Fremdenfeindlichkeit“, die letztlich Rassismus meinen, aber nicht klar benennen. 

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Wie funktioniert Rassismus?

Grafiken downloaden: Unterrichtsmaterial "Wie funktioniert Rassismus?" (PDF)

 

Rassismus funktioniert auf unterschiedliche Arten:

  • Naturalisierung
    Soziale und kulturelle Differenzen werden naturalisiert. Das bedeutet, dass soziale Beziehungen zwischen Menschen als unveränderlich und vererbbar verstanden werden. Dieses Denken legt den Schluss nahe, dass das Konstrukt verschiedener Menschenrassen naturgegeben sei. 
     
  • Homogenisierung
    Menschen werden bei dieser Art des Rassismus in jeweils homogenen Gruppen zusammengefasst und vereinheitlicht.
     
  • Polarisierung
    Die so konstruierte Gruppe wird der eigenen oder anderen konstruierten Gruppen als grundsätzlich verschieden und unvereinbar gegenübergestellt.
     
  • Hierarchisierung
    Die konstruierten Gruppen werden in eine Rangordnung gebracht. Manche Gruppen sind in dieser rassistischen Denkweise "besser" oder "wertvoller". Unserem Grundgesetz nach sind jedoch alle Menschen gleich viel wert.

Nach Birgit Rommelspacher: Was ist eigentlich Rassismus?
 

Warum sprechen wir nicht von "Rassisten", sondern von "rassistischen Einstellungen"?

Vielleicht ist es beim Lesen bereits aufgefallen: Wir sprechen in diesem Dossier nicht von "Rassisten", sondern von "rassistischen Einstellungen" oder "rassistischen Behauptungen". Warum eigentlich? Das Problem des Rassismus existiert zwar auch auf einer individuellen Ebene, aber gesellschaftlich folgenreich ist insbesondere struktureller Rassismus. Eine Individualisierung, also die Bezeichnung "Rassist", impliziert außerdem eine Unveränderlichkeit. Eine Einstellung hingegen kann man reflektieren und verändern, ebenso eine Behauptung. 

Diese von uns gewählte Art der Bezeichnung hilft daher, die eigenen rassistischen Einstellungen zu reflektieren und diese als veränderbar zu begreifen.

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Was ist struktureller, individueller und institutioneller Rassismus?

Die Rassismusebenen

Rassismus findet auf verschiedenen Ebenen statt:

  • struktureller Rassismus
  • institutioneller Rassismus
  • individueller Rassismus

Birgit Rommespacher definiert in einem Aufsatz mit dem Titel "Was ist eigentlich Rassismus" von 2009 diese drei Ebenen so:

„Von strukturellem Rassismus spricht man, wenn das gesellschaftliche System mit seinen Rechtsvorstellungen und seinen politischen und ökonomischen Strukturen Ausgrenzungen bewirkt, während der institutionelle Rassismus sich auf Strukturen von Organisationen, eingeschliffene Gewohnheiten, etablierte Wertevorstellungen und bewährte Handlungsmaximen bezieht. (...) Der individuelle Rassismus hingegen beruht auf persönlichen Handlungen und Einstellungsmustern und bezieht sich auf die direkte persönliche Interaktion.“

Struktureller Rassismus

Von strukturellem Rassismus spricht man, wenn die Benachteiligung einzelner Gruppen durch die Organisation der Gesellschaft zustande kommt. Die über Jahrzehnte und Jahrhunderte gewachsene Art des Zusammenlebens zeigt sich zum Beispiel darin, wer welche Arbeit macht oder wie die Macht, Entscheidungen zu treffen, verteilt ist. In unserer Art des Zusammenlebens haben sich Gebräuche und Traditionen etabliert, durch die einzelne Gruppen priviligiert sind, andere hingegen schlechtergestellt sind - und uns das normal erscheint. 

Diese Form von Rassismus ist nicht immer einfach zu erkennen, da bestehende und vertraute Strukturen häufig nicht hinterfragt und auch von den Betroffenen selbst nicht sofort als diskriminierend erkannt werden.
 

Institutioneller Rassismus

Was in der Gesellschaft geschieht, spiegelt sich auch in Organisationen wie zum Beispiel einem Unternehmen wider. Rassismus in diesem Umfeld heißt institutioneller Rassismus.

Das Büro zur Umsetzung von Gleichbehandlung Berlin definiert institutionellen Rassismus als “das kollektive Versagen einer Organisation, für Menschen bezüglich ihrer Hautfarbe, Kultur, Religion und ethnischen Herkunft [oder Zuschreibung] geeignete und professionelle Leistungen und Angebote zu erbringen. Er lässt sich in Prozessen, Einstellungen und Verhaltensweisen festmachen, welche auf eine Diskriminierung hinauslaufen und durch unbewusste Vorurteile, Ignoranz, Gedankenlosigkeit und rassistische Stereotypen, die oben genannten Personen individuell oder kollektiv benachteiligen.“

Individueller Rassismus

Individueller Rassismus geschieht auf der persönlichen Ebene, wenn Menschen unbewusst oder bewusst andere Menschen oder Menschengruppen herabsetzen. Niemand ist frei von Vorurteilen, doch gegen individuellen Rassismus kann jeder und jede von uns etwas tun und sein und ihr eigenes Verhalten reflektieren. Die folgenden Tipps helfen dabei.

 

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Was kann ich gegen Rassismus tun?

Tipps, wie du dein eigenes Verhalten verbessern kannst:

  1. Achte auf deine Sprache!
    Manche Begriffe solltest du nicht mehr verwenden, wenn du mit oder über Menschen mit Rassismuserfahrung sprichst. Dazu gehören zum Beispiel die Begriffe "Farbige" oder "Dunkelhäutige". Besser sind Selbstbezeichnungen, die sich die Betroffenen selbst gegeben haben, zum Beispiel der mittlerweile im deutschsprachigen Raum ebenfalls genutzte Begriff People of Color oder abgekürzt PoC. Informationen zu diskriminierungsfreier Sprache bieten zum Beispiel Amnesty International oder logo.
     
  2. Erkenne deine Privilegien!
    • Nutze deine Stimme gegen Rassismus dort, wo andere von Rassismus profitieren, zum Beispiel gegenüber weißen Menschen und dort, wo PoC diskriminiert werden, abwesend sind oder weniger Mitsprache haben.
    • Lass andere Perspektiven zu Wort kommen und gib, wenn möglich, dein Rampenlicht an Menschen ab, die weniger gehört werden. 
       
  3. Höre zu!
    Zum Glück hat nicht jeder und jede Erfahrungen mit Rassismus gemacht. Trotzdem gibt es Rassismus in der Gesellschaft. Erkenne die Erfahrungen Betroffener an und glaube ihnen.
     
  4. Hinterfrage dein Verhalten!
    Wenn du jemanden fragst, woher er kommt, und die Antwort ist ein Ort in Deutschland, dann frage nicht nach dem Heimatland der Großeltern oder Eltern. Hinterfrage lieber: Warum ist mir das wichtig? Versuche, auch aus deinen eigenen Fehlern zu lernen.
     
  5. Misch dich ein!
    • Wenn jemand rassistisch behandelt wird, frage die betroffene Person, wie du in der Situation helfen kannst. 
    • Rassismus existiert auch im Netz. Rassistischen Bemerkungen sollte jeder und jede widersprechen und nicht nur die Personen, die davon betroffen sind. Das gehört zu einer starken Zivilgesellschaft dazu. Rassistische Posts oder Kommentare können außerdem bei der Polizei angezeigt und der jeweiligen Plattform gemeldet werden.
       
  6. Benenne Rassismus
    So hilfst du mit, andere dafür zu sensibilisieren und zeigst, dass Rassismus erkannt und nicht toleriert wird.
     
  7. Spenden, unterstützen, engagieren, informieren
    Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, auch als Individuum gegen Rassismus vorzugehen, sich weiterzubilden und die eigene Haltung zu reflektieren. Nutze sie!

Weitere Tipps sammelt Amnesty International in einer Broschüre gegen Alltagsrassismus sowie dieser zett.de-Artikel.

 

Aktiv werden gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit

Aktionsfonds REFLEX

Aktiv gegen Vorurteile und Menschenfeindlichkeit - für ein besseres Miteinander in Baden-Württemberg. REFLEX unterstützt Sie ...

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lokal vernetzen - demokratisch handeln

Projektförderung gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in lokalen Gemeinwesen.

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Folgen von Rassismus für Betroffene & Beratungsangebote

Rassismus kann unterschiedliche Folgen für Betroffene haben. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes schreibt dazu:

"Wer ständig gezeigt bekommt, dass er oder sie 'nicht dazugehört', empfindet das als herabwürdigend, frustrierend und lähmend."

Rassismus verhindert die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen an einer Gesellschaft, und er kann zu psychischer wie physischer Gewalt führen. "Im Extremfall dient er als Rechtfertigung für Völkermord oder die Tötung zahlreicher Menschen, die dann mitunter als „ethnische Säuberungen“ verharmlost wird", so die Antidiskriminierungstelle.

Nicht nur diese extreme Form von Rassismus, auch subtile Formen wirken diskriminierend und schaden einer Gesellschaft. Was ist damit gemeint? Dazu gehören zum Beispiel solche vermeintlich gut gemeinte Kommentare wie „Sie sprechen aber gut deutsch“.

Die Folgen von Rassismus ziehen sich für Betroffene durch alle Lebensbereiche und Lebensabschnitte: 
-    Kindergarten, Schule, Hochschule
-    Alltagsrassismus und zwischenmenschlicher Rassismus
-    Medien, Literatur, Film und Fernsehen
-    staatliche Strukturen
-    Arbeitsleben
-    öffentliches Leben
-    …

Rassismus ist ein paradoxes Problem: Es ist allgegenwärtig und bleibt doch unsichtbar. Das Problem wird von nichtbetroffenen Menschen entweder nicht gesehen oder negiert und verdrängt. Das führt zu Erschöpfung aufseiten der Betroffenen und schadet dem gesamtgesellschaftlichen Klima. Besonders gut fasst dieser Artikel des Deutschlandfunk Kultur zusammen, wie es Betroffenen geht mit dem Titel "Rassismus macht den Körper krank: Wie Tausende kleine Mückenstiche".

 

Beratungsangebote gegen Rassismus

Leuchtlinie

Beratung für Betroffene von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.
zur Webseite

LAG-Beratung

Landesarbeitsgemeinschaft Antidiskriminierungsberatung Baden-Württemberg
zur Webseite

 

Antidiskriminierungsstelle

LADS Antidiskriminierungsstelle des Landes Baden-Württemberg
zur Webseite

LAGO

Vernetzungs- und Anlaufstelle gegen Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
weitere Informationen

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Rassismus ist strafbar!

Am 29. Juni 2000 machte der Europäische Rat einen wichtigen Schritt: Er erließ die Antirassismus-Richtlinie (2000/43/EG) , die den Grundstein zur Förderung der Gleichbehandlung aller legte und Rassismus entgegentrat.

"Die Europäische Union weist Theorien, mit denen versucht wird, die Existenz verschiedener menschlicher Rassen zu belegen, zurück."

Gelebter Rassismus verstößt gegen Gesetze und kann auch strafbar sein. Gegen Diskriminierung und Rassismus existieren unter anderem folgende Gesetze und Resolutionen:

  • Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
    § 1 Ziel des Gesetzes

    Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

  • Strafgesetzbuch
    § 130 Volksverhetzung


    (1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,

    1.    gegen eine nationale, rassische, (...) oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe (...) zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder
    2.    die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe (...)  beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,

    wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

  • Charta der Grundrechte der Europäischen Union
    Artikel 21 - Nichtdiskriminierung

    Diskriminierungen insbesondere wegen des Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der ethnischen oder sozialen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung sind verboten.

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Die Debatte um den Begriff „Rasse“ im Grundgesetz

"Rasse" in Gesetzestexten
„Rasse“ ist ein Wort, das nach wie vor prominent weit vorne im Grundgesetz  steht, nämlich in Artikel 3:

Art. 3 GG (aktuelle Fassung)
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse (…) benachteiligt oder bevorzugt werden. 

Auch in anderen Verfassungen ist der Begriff noch enthalten - historisch gesehen aus gutem Grund: Das Verbot der Diskriminierung wegen der „Rasse“ war beispielsweise in Bremen 1947 in expliziter Abgrenzung zu der rassistischen Ideologie und der Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus in die bremische Landesverfassung aufgenommen worden.

Die 1953 in Kraft getretene Verfassung des Landes Baden-Württembergs enthält den Begriff nicht. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz von 2006 wiederum enthält den Begriff prominent in §1: „Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft […] zu verhindern oder zu beseitigen.“ 


Soll der Begriff "Rasse" im Grundgesetz bleiben?
Über den Begriff "Rasse" im Grundgesetz wird viel diskutiert, denn Artikel 3 GG beinhaltet einen Widerspruch: Er geht gegen Diskriminierung vor, suggeriert durch seine Formulierung jedoch, dass es unterschiedliche Menschenrassen gäbe – eine rassistische Vorstellung, der der Artikel entgegenwirken soll. Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat sich in einem Positionspapier klar gegen die aktuell gültige Formulierung gestellt. "Eine Änderung des Grundgesetzes wäre ein wichtiges Signal, um die scheinbare Akzeptanz von Rassekonzeptionen zu beenden", erklärte Beate Rudolf, Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Das Institut erarbeitete einen Vorschlag für eine neue Formulierung: 

Änderungsvorschlag für Art. 3 GG:
 „Niemand darf rassistisch oder wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung (...) benachteiligt oder bevorzugt werden.

Kritiker werfen diesem Änderungsvorhaben eine "Gesetzgebungskosmetik" vor (z.B. Welt.de). Die Sorge dahinter ist, dass mit der Streichung des Begriffs aus dem Grundgesetzt auch die rechtliche Grundlage verschwindet, gegen Rassismus vorzugehen. Diese Sorge formuliert beispielsweise auch dasMissy-Magazin: „Während Rassismus keine biologisch verbürgten Rassen braucht, um zu funktionieren, wird Antirassismus-Arbeit ohne einen spezifischen sozialwissenschaftlichen Rassebegriff schwierig, weil ohne diesen nicht klar ist, worüber gesprochen wird."

Mehrere Bundesländer diskutieren darüber, den Begriff aus ihren Verfassungen zu streichen, zum Beispiel in Sachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz (Quelle: SZ). Erfolgreich hat Bremen dieses Vorhaben bereits umgesetz. Das Wort „Rasse“ sei in Deutschland besonders vorbelastet, begründete die bremische Bürgerschaft die Änderung. "Der Begriff löst Irritationen bis hin zu persönlichen Verletzungen aus. Deshalb soll der Begriff aus der Landesverfassung gestrichen und durch ein Verbot rassistischer Diskriminierung ersetzt werden." Auch auf europäischer Ebene handelten Länder wie Frankreich und Schweden bereits.

Um das Grundgesetz zu ändern, wäre eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat nötig. 

Weitere Informationen: dw.com

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Wie ist Rassismus entstanden?

Mit Birgit Rommelspacher gesprochen handelt es sich bei Rassismus um eine "Legitimiationslegende":
Mit der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte im Rahmen der Französischen Revolution 1789 wurden allen Menschen gleiche Rechte zugesprochen. Um die Ausbeutung von Menschen in eroberten Gebieten (weiterhin, ohne Bezug auf eine göttliche Ordnung) zu rechtfertigen, wurde der Rassismus (also die Einteilung von Menschen in „Rassen“ und die damit verbundene Zuschreibung von „natürlichen“ Unter- bzw. Überlegenheiten) quasi erfunden. Das Konstrukt von unterschiedlichen „Menschenrassen“ legitimierte also den Kolonialismus und damit die interessengeleitete Ausbeutung von Menschen und deren Gesellschaften.
www.bpb.de/mediathek/178985/die-entstehung-des-rassismus
 

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Empfehlungen der LpB BW zum Thema Rassismus

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